Rezensionen

"Interstellare Odyssee" - Ein anspruchsvoller und zugleich unterhaltsamer Science Fiction Roman

Wer mag in unserer Zeit schon noch Prognosen abgeben, gar solche darüber, wie es aussähe, würden unsere Kalender ganze 50 Jahre weitergeblättert? Sind doch gegenwärtige Umbrüche von allzu ungewissem Ausgang. Werden die derzeit im Norden Afrikas und dem Vorderen Asien implodierenden Machtstrukturen eine neue Ordnung finden, oder sind sie Vorboten weltweit anarischer Zustände? Wird die aktuell an Japans Küste nicht zu bändigende Atomkraft zu einem systematischen Umbau der Energiegewinnung und Energienutzung führen oder symbolisieren Tschernobyl und Fukushima bereits den "point of no return"?

Detlef Köhler ist mit seinem Science Fiction Roman "Interstellare Odyssee" das Wagnis einer Prognose eingegangen. Sie findet nicht ihren unmittelbaren Ursprung in den soeben in Fragen gekleideten Ereignissen dieser Tage. Das kann sie nicht, denn das Buch wurde bereits vor mehr als zwei Jahren geschrieben. Das braucht sie nicht, denn der Autor hat erfreulicherweise die Gabe, Geschehnisse, ob der Vergangenheit, ob der Gegenwart, weit, also grundsätzlich und zusammenhängend zu fassen und zu vermitteln.

Was Detlef Köhler uns schreibt, könnte dereinst so geschehen, ist gut denkbar. Als Autor beschehrt er uns ein besonderes Buch.
Es handelt vom Erstkontakt zu einer hochentwickelten Spezies, was im Übrigen wohl Gegenstand hunderter anderer Science Fiction Romane ist. Jedoch ist dem Roman tief liegend die Frage eingewoben, ob uns wohl außerirdische Intelligenz helfen kann, die schier unlösbaren irdischen Probleme zu meistern. Und auch das noch könnte Gegenstand einiger, nunmehr jedoch zählbarer Bücher utopischen Inhalts sein. Der Clou, der Detlef Köhler mit seinem Werk gelingt, ist, in die Handlung gleichsam eine philosophische Metaebene einzuflechten. So geschehen mit der Frage der objektiven Messbarkeit von Fortschritt. Wer da an "schneller, weiter , höher" denkt, wird sich des Profanens seiner Überlegungen rasch bewusst. Köhlers These, objektiver Fortschritt sei an der durchschnittlichen Lebenserwartung der Menschen messbar, bleibt trotz langfristiger Bemühungen des Rezensenten durch diesen nicht widerlegbar. Allein das Nachdenken über objektiv bestimmbaren Fortschritt lohnt das Lesen.

Zum Lesen zu empfehlen ist Detlef Köhlers "Interstellare Odyssee" auch wegen der vielen, nicht aufgesetzt daher kommenden Erklärungen physikalischer, technischer und technologischer Phänomene.

Detlef Köhlers Roman beinhaltet all das, was man von einem Science Fiction Roman erwartet: futuristisches gepaart mit Bodenhaftung und Nüchternheit, spannungsgeladenes gepaart mit Romantik und Erotik, faktenreiches gepaart mit Phantasie und Schwärmerischem.
All das lässt Vorfreude auskommen, denn der Fortsetzungsroman "Interstellares Mysterium" ist bereits angekündigt.

Torsten Koplin
Alt Rehse am 13. Juni 2011


 

Aus dem Dialog einer Leserin mit dem Autor (die Zustimmung zur Veröffentlichung liegt vor)

 

· Was ich mir gewünscht hätte:

- mehr zu den Hintergründen der Kryonauten, sich „einfrieren“ zu lassen, obwohl sie jegliche soziale Kontakte aufgeben mussten

.....na ganz einfach - sie wollten unbedingt überleben, anstatt alsbald (mit sozialen Kontakten) zu sterben ;-) Aber das kann man getrost der Fantasie des Lesers überlassen. Da wird es nämlich immer welche geben, die das niemals tun würden, aber mindestens genau so viele, die sich nichts sehnlicher wünschen würden.

- eine Erklärung, warum Sanala plötzlich keine Verletzungen mehr hat

.....weil die Medizin der Ramiren viel weiter ist als unsere. Würdest Du Deinem verstorbenem UrUrUrgroßvater erzählen können, dass heute Patienetn ihren Krebs schon um etliche Jahre überlebt haben, würde der vermutlich genau so unverständlich fragen, wieso sie nach all den Schnitten und Schläuchen wieder auf den Beinen und nicht längst tot sind...

- eine Idee für einen Hilfeplan für die Scholaren

.....das hätte den Rahmen gesprengt und wär aus meiner Sicht einfach zu langweilig gewesen.

 

· Fragen:

- Was verstehst Du unter „Grundsicherung“?

.....anstelle von Wohngeld, Kindergeld, Hartz4, Zuschuss zur Klassenfahrt, Zuschuss zu... und Antrag auf... und was es da noch so alles an sinnlosem bürokratischen Aufwand gibt, einfach 1000,- für jeden - ohne weitere Zuschüsse. Wer mehr will, muss arbeiten. Die, die arbeiten, erwirtschaften die soziale Grundsicherung für alle (Das war jetzt eine stark vereinfachte Erklärung). Irgendwann wird das Volk dann wieder erkennen, wie wichtig es ist, sich um das eigene Leben (und das seiner Kinder) einen echten Kopf zu machen, anstatt nur die Hand auf zu halten!

- Warum wird der Auftrag des Konsortiums für den Hilfsversuch, der sehr gewagt und unüberlegt erscheint, vernachlässigt?

.....weil Geld und Macht eben nicht alles sind im Leben! Die Zivilisation existiert auch deshalb noch immer, weil sich stets welche selbstlos für andere in Not aufopfern.

- Warum wird den Polypen doch nicht geholfen und sie nur als Druckmittel genutzt?

.....aus dem simplen Grund, dass einfach keine Zeit mehr war. Ist wie im richtigen Leben – manchmal muss man Prioritäten setzen, wem man zuerst hilft. Außerdem gehört es zur Freiheit des Autors, da was offen zu lassen

- Warum will Denis kurz vor dem Flug ins schwarze Loch wieder auftauchen? Wäre nicht vor dem Angriff der Polypen sinnvoller?

.....gute Idee!

- Wäre er dann aber zweimal da (überhaupt, wenn sie in der näheren Vergangenheit landen)?

.....vermutlich!

- Könnten sie dann die Zukunft ändern? Das leidige Problem mit den Zeitmaschinen… Oder gibt es dafür eine Lösung?

.....bisher noch nicht. Zeitparadoxa sind ein sehr interessanter Stoff! Könnte man einen ganzen Roman mit füllen. Vielleicht schaffe ich das sogar noch mal?

- Warum sollen die verbliebenen Magister einen neuen Rat bilden, wenn alle gleichberechtigt leben wollen?

.....auf Grund ihrer Physiognomie (60°C usw). Sie werden hauptsächlich unter sich leben. Was ja nicht heißt, das ihr Rat nicht Teil einer "venarischen UN" sein kann.

- Warum haben die Scholaren braune Haut? Das ist für mich eher unschlüssig.

.....typisch irdische Denkweise – sei Dir verziehen ;-) Ihre Pigmentierung resultiert aus der Evolution im Generationenschiff (das jahrtausendelang der kosmischen Strahlung) ausgesetzt war und der weiteren Entwicklung im völlig anderem Strahlungsfeld Venarias und seiner Sonne Delta. Warum sind die Indios in Südamerika rötlich und nicht schwarz wie die Afrikaner auf gleicher geografischer Breite und im gleichen Klima? Alles Evolution. Und wenn die ersten Kolonien auf Mars und Venus einige Jahrhunderte alt sind, werden sich die verbliebenen Menschen auf der Erde (die keine SF lesen) fragen, warum die dort so anders geworden sind ;-)

- Die Scholaren werden ca. 250 Jahre. Wäre ihre Art für andere zu leben bzw. zu arbeiten für Dich also ideal?

.....ne, da hab ich nicht mal drüber nach gedacht. Sie wäre es natürlich nicht, weil mir ihr zivilisatorisches Niveau viel zu niedrig wäre und ich keine Lust hätte, für die Magister in von Gott gewollter Ordnung zu schuften. Das mit dem Alter hat einen viel trivialeren natürlichen Grund: geringere Schwerkraft, andere Umweltbedingungen (und gesünderes Futter?) – also Sachen, die dem Menschen einfach gut tun.

- Wie viel Zeit ist vom „Aufwachen“ nach dem Flug bis zur Landung auf Venaria vergangen?

.....Freiheit des Autors, sich nicht in allen Punkten festzulegen... Vielleicht ein halbes Jahr?

 

· Es haben sich einige Fehler in der Grammatik (z.B. S.63 „… von einen am Tage…“, S.173 „…aus ihrem angeblich so sicherem Reservat…“, S.189 „…vor kurzen bei Sanala…“, …) eingeschlichen.

.....ok, kann ich mit leben und ich denke, die nicht mehr der Rechtschreibung kundige Jugend auf StudiVZ und Facebook auch ;-)

 

· Es passiert sehr viel in Deinem Buch. Mir fehlt allerdings ein bisschen der Spannungsbogen in einzelnen Teilen bzw. insgesamt.

.....ist wohl Geschmackssache. Da hab ich eigentlich bisher nur das ganze Gegenteil von gehört (sehr spannend...).

 

· Dein Ausdruck ist für mich an wenigen Stellen etwas ungeschickt bzw. umgangssprachlich. (z.B. S.43 „… Die Amis…“, „…im Schach gehalten…“, S. 52 „…anscheinend auch nicht…“, S.

101 „…jetzt noch auftischen?“, S.122 „…wie wir auch welche hatten.“, …)

.....ich schreib halt ungern anders, als ich spreche...

 

· Auf Seite 114 kommt plötzlich eine neue Erzählebene (Sicht der Ramiren) hinzu, die sich dann nur noch zweimal wiederholt. Ab und zu erscheinen noch andere, die ich manchmal nicht sofort erkannt habe. Aber das lag sicher an mir ;-)

.....ne, nicht unbedingt. Hab da einfach gegen die literarischen Regeln verstoßen. Ist mir aber egal, denn Literatur ist schließlich kein Naturgesetz (und Literaturwissenschaft gibt es demzufolge nicht; maximal eine Literaturkatalogisierung oder -Beschreibung).

 

· Die beiden Beziehungsgeschichten laufen etwas „nebenher“. Die erste endet abrupt, geht unvermittelt weiter und endetletztlich, noch bevor sie richtig begonnen hat. Beide betonen vordergründig die Körperlichkeit und entwickeln für mich leider keine wirkliche „Tiefe“, die Du in meinen Augen aber vermitteln möchtest.

.....ne, will ich eher weniger. Im richtigen Leben gibt es schließlich auch keine Happy-Ends und mir kam es mehr drauf an, Situationen zu schildern, mit denen sich Leser identifizieren könnten. Zudem kann man damit ein weiteres Spannungsmoment schaffen. Wollte ja SF schreiben und keine Abhandlung über die ideale Partnerschaft ;-) Und außerdem: Jungs sind nicht perfekt (Mädels erst recht nicht) und Sex sells!!! Alles klar?